Zum Mooswäldle 9a, 78054 VS-Schwenningen

Interview mit Matthias Fleig

Herr Fleig, es ist ja nicht allgemein üblich, dass bereits im Nachwuchs mit einem Mentaltrainer gearbeitet wird. Was hat Sie dazu bewogen, mit den Schwenninger Wild Wings Future zusammen zu arbeiten und welche Ziele verfolgen Sie damit?

 

Antwort Fleig:

Das ist richtig. In Deutschland ist im Leistungs- und Profisport noch eher selten auf einen Sport Mental Trainer zu treffen.

Meiner Meinung nach hängt dies mit dem noch falschen Bild eines Mentaltrainers zusammen. Dies bedeutet, dass dieser in den meisten Fällen erst hinzugezogen wird, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. Dies bezieht sich nicht nur auf Probleme einzelner Sportler, sondern auch auf ganze Teams.

Genau aus diesem Grund habe ich mich für eine Zusammenarbeit mit den Wild Wings Future entschieden. Mein Ziel ist es, jungen Leistungssportlern und angehenden Profis, die Wichtigkeit von Mentaler Stärke, sowie den Weg zu dieser, nahe zu bringen. Hier geht es nicht nur um kurze Einzelsequenzen, sondern eine Begleitung auf diesem Weg.

Gerade im Nachwuchsbereich halte ich es für sehr wichtig mit einem Mentaltrainer zu arbeiten, da viele Reize gleichzeitig auf die jungen Sportler zukommen. Im Gegensatz zum Profisportler stehen hier auch Schule, Ausbildung und Studium auf dem Tagesprogramm.

Beim sportlich verlangten Zeitaufwand hingegen unterscheidet sich dieser kaum von einem Profi.

 

Wie Sie gerade angedeutet haben, ist in Deutschland das Sportmentaltraining im Vergleich zu anderen Ländern, wie z.B. Nordamerika im Leistungs- und Profisport noch nicht allgegenwärtig. Worin sehen Sie den Grund, dass in anderen Ländern bereits stark auf Sport Mental Training gesetzt wird, bzw. dieses nicht mehr wegzudenken ist?

 

Antwort Fleig:

 

Nach meiner Erfahrung, wird Sportmentaltraining in Deutschland in die Schublade der Therapieinstrumente gelegt, was absolut falsch ist.

Der Sport Mental Trainer therapiert nicht, sondern sorgt durch permanentes Coaching vor, dass eine Therapie idealer Weise gar nicht erst notwendig wird. Wenn ein Sportler an einem Krankheitsbild erkrankt, ist er ein Fall für die Medizinische Abteilung und nicht für den Mentaltrainer.

Warum sich der Einsatz von Sportmentaltraining in Deutschland sich in der Breite noch nicht durchgesetzt hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Es gibt auch hierzulande zahlreiche wissenschaftliche Studien die belegen, wie sinnvoll und wichtig der Baustein Mentaltraining ist und warum er bei jedem Leistungs- und Profisportler in den ganzheitlichen Trainingsplan integriert werden sollte.

 

Ich möchte Ihnen dies anhand von interessanten Zahlen deutlich machen:

  • Mentale Stärke macht ca. 50% des Leistungsniveaus eines Sportlers aus
  • Es werden nur 5%-10% der Trainingszeit für Mental Training verwendet
  • Sportpsychologische Untersuchungen haben ergeben, dass nur 35% der Athleten bei Wettkämpfen in Lage sind, ihre Top Leistung abzurufen.

Wie Sie den Zahlen entnehmen können, sprechen diese für sich.

Dies macht deutlich, dass die Entscheidung, das Top Performance Coaching als festen Bestandteil in die Trainingspläne zu integrieren, von den beiden Vorständen Uwe Schlenker und Stefan Kurth, sowie von dem Head-Coach und Sportlichem Leiter Wayne Hynes der Schritt in die richtige Richtung ist und somit die Schwenninger Wild Wings Future eine Vorreiterstellung in Sachen moderne, zeitgerechte und ganzheitliche Trainingslehre darstellen.

 

Jetzt haben wir viel über die Theorie gehört. Was können wir uns konkret unter Sportmentaltraining vorstellen?

 

Antwort Fleig:

Das von mir zusammengestellte Top Performance Coaching ist in einem modularen System aufgebaut, so dass auch einzelne Bausteine situativ eingesetzt werden können.

Die Auswahl der Module wird von mir nicht vorgegeben, sondern von Sportlern und Teams in Absprache mit dem Trainerstab selbst festgelegt.

Die Module setzen sich ausfolgenden Themen zusammen:

  • Motivation & Zielsetzung
  • Visualisierungstraining
  • Arbeit mit Glaubenssätzen
  • Entspannung und Aktivierung der Top Leistungsfähigkeit
  • Konzentration und Routine in der Wettkampfvorbereitung und am Spieltag
  • Selbstbewusstsein und Umgang mit Angst
  • Teamgeist / Team Building

 

Wie können wir uns ihre Arbeit bei den Wild Wing Future vorstellen?

 

Antwort Fleig:

Mit der Vorstandschaft und den Trainern wurde vereinbart, dass das Top Performance Coaching ein fester Bestandteil des Trainingsplanes ist.

Das bedeutet, dass ich einmal die Woche mit dem gesamten Team arbeite. Dies sieht so aus, dass es einen Theorieteil gibt, in welchem das Modul oder einzelne Techniken theoretisch durchgesprochen werden. Dem folgt dann die praktische Umsetzung durch die Spieler.

Weiter stehe ich den Spielern auch für Einzel- oder Gruppencoaching zur Verfügung. Hier werden einzelne Themen vertieft oder individuelle Themen bearbeitet. Die Individual Coachings werden auch teilweise als Telefon- oder Onlinecoaching durchgeführt.

An Spieltagen begleite ich die Teams situativ. Allerdings klinke ich mich hier in den Coaching Prozess nur ein, wenn ich von den Head Coaches hinzugezogen werden.

Ansonsten verfolge ich das Spielgeschehen, um Coaching Ansätze für die folge Woche ableiten zu können.

 

Was für eine Zukunftsprognose haben Sie für das Sportmentaltraining in Deutschland?

 

Antwort Fleig:

In anderen Ländern gehört die Arbeit mit einem Mental Coach zum Standard bei Leistungs- und Profisportlern.

In Deutschland ist es aktuell noch so, dass in den meisten Fällen viel Wert auf die Anonymität gelegt wird, wenn man einen persönlichen Mental Coach arbeitet.

Deshalb gebe ich meinen Klienten auch ein Anonymitätsversprechen und werbe nicht mit den Namen.

Für die Zukunft bin ich überzeugt, dass auch in Deutschland das Sportmentaltraining im Leistungs- und Profisport in allen Team- und Einzelsportarten eine tragende Rolle spielt und somit automatisch der Umgang damit offener wird.

Damit verbunden tritt meiner Meinung nach auch das Telefon- und Online Coaching stärker in den Vordergrund, wodurch Spieler und Coach unabhängig von Ort und Zeit kommunizieren können. Aus diesem Grund arbeite ich bereits heute damit und erweitere und optimiere dies kontinuierlich.

Zusammengefasst sehe ich für das Sportmentaltraining eine sehr gute Zukunft in allen Sportarten im Leistungs- und Profisport und freue mich auf die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

 

WWF